Neue Erkenntnisse zu seltenen Hirnvenenthrombosen nach AstraZeneca-Impfung

22.9.2021

Das haben Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald um den Transfusionsmediziner Andreas Greinacher in einer Studie mit 35 Patienten herausgefunden. „Die gefährlichen Anti-PF4-Antikörper, die zu Hirnvenenthrombosen nach einer AstraZeneca-Impfung gegen Covid-19 führen können, verschwinden bei den meisten Patienten innerhalb von drei Monaten wieder. Die Betroffenen können ohne Risiko ein zweites Mal geimpft werden, ohne dass die Antikörper wieder gebildet werden“, so Greinacher. „Daher ist ein Abstand zur Zweitimpfung von drei Monaten klar zu empfehlen.“ Unter den Studienteilnehmern waren 27 Frauen und 8 Männer. Die jüngste Patientin war 18 Jahre alt, die älteste 77 Jahre. Die klinischen Symptome der Patienten traten zwischen dem 5. und dem 18. Tag nach der ersten Impfung auf. Alle Patienten wiesen eine Thrombozytopenie auf, 30 von ihnen hatten eine Thrombose. Bei zwei Drittel der Patienten ließen sich nach elf Wochen keine Anti-PF4-Antikörper mehr nachweisen. Nach mehr als 12 Wochen waren die plättchenaktivierenden Antikörper bei den meisten Patienten (93%) verschwunden. Allerdings ließ sich nur bei drei Patienten eine vollständige Seroreversion beobachten. Bei einem Patienten blieben die Anti-PF4-Antikörperlänger als 12 Wochen nachweisbar. Er litt an wiederkehrenden Episoden von Thrombozytopenie. Fünf der Patienten erhielten den mRNA-Impfstoff BNT162b2 (Pfizer-BioNTech) als zweite Impfung 10 bis 18 Wochen nach ihrer ersten Impfung. Währenddessen erhielten sie nach wie vor blutgerinnungshemmende Medikamente. Bei keinem der Patienten traten klinisch symptomatische neue thrombotische Komplikationen auf. Unklar ist, ob diese Patienten eine verlängerte Antikoagulation oder eine zusätzliche Behandlung erhalten sollten. Dafür sind weitere, umfangreichere Studien nötig.