Guillain-Barré-Syndrom

14.7.2021

Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Arzneimittelüberwachung PRAC der Europäischen Arzneimittelagentur EMA hat beschlossen, für den COVID-19-Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca einen Warnhinweis in die Produktinformation aufzunehmen. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) vom 15.07.2021 hervor. Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine akute Entzündung des peripheren Nervensystems und der Nervenwurzeln (Polyradikuloneuritis) mit der Folge einer aufsteigenden Lähmung. In den meisten Fällen bilden sich die Symptome nach Angaben des PEI zurück. Allerdings komme es bei manchen Patienten zu einem längeren Krankheitsverlauf, zu neurologischen Restsymptomen oder relevanten bleibenden Schädigungen. Auch Todesfälle können vorkommen. Eine seltene Spezialform des GBS ist das Miller-Fisher-Syndrom (MFS). Charakteristisch für diese Form der Erkrankung sind Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), Augenmuskellähmung und der Verlust oder eine Abschwächung der Muskeleigenreflexe. Bis zum 30.06.2021 wurden dem PEI 51 Fälle eines GBS sowie 3 Fälle eines MFS nach Impfung mit Vaxzevria gemeldet. Die Erstsymptome traten im Mittel 14,6 Tag nach der Impfung auf. Bei den geimpften Personen handelte es sich um 30 Frauen und 24 Männer im Alter zwischen 32 und 93 Jahren. Damit sind in Deutschland nach Vaxzevria mehr Fälle eines Guillain-Barré-Syndroms gemeldet worden als aufgrund der Anzahl geimpfter Personen zufällig erwartet würde. Das, so das PEI, weise auf ein Risikosignal hin. Bei sechs der Betroffenen war eine intensivmedizinische Behandlung nötig. In zwei Fällen war der Ausgang tödlich. Bereits zuvor hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA vor einem erhöhten Risiko für das Guillain-Barré-Syndrom bei einer Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff des US-Herstellers Johnson&Johnson gewarnt.

Die FDA rät, bei folgenden Symptomen eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen:

  • Schwäche- oder Kribbelgefühle, speziell in Beinen und Armen, die schlimmer werden und sich auf andere Bereiche des Körpers ausbreiten
  • Schwierigkeiten beim Gehen
  • Probleme mit Gesichtsbewegungen, beim Sprechen, Kauen oder Schlucken
  • Doppeltsehen oder Unfähigkeit, die Augen zu be­we­gen
  • Schwierigkeiten mit der Blasenkontrolle oder der Darmtätigkeit